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DJI Impulse stellt Forschungsergebnisse zur sexuellen Gewalt gegen Kinder und Jugendliche vor

Obwohl die Sensibilität der Gesellschaft für sexuellen Kindesmissbrauch wächst, bleibt die Zahl minderjähriger Opfer in Deutschland hoch. Aktuelle Forschungsergebnisse des Deutschen Jugendinstituts (DJI) über das Ausmaß und den Umgang mit sexueller Gewalt in Heimen und Schulen liefern wichtige Hinweise für eine bessere Prävention. In der neuen Ausgabe des Forschungsmagazins »DJI Impulse« werden die bisher unveröffentlichten Studien vorgestellt und notwendige Konsequenzen für Politik und Fachpraxis formuliert. Im Interview äußert sich der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, über neue Gefahren im Netz, notwendige Gesetzesänderungen und Schutzkonzepte.

Unter dem Titel: »Schluss mit Schweigen! Sexuelle Gewalt gegen Kinder ansprechen, aufarbeiten, verhindern« beschreiben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DJI und anderer Forschungseinrichtungen, wie Schulen, Heime und Vereine junge Menschen künftig effektiver schützen und Betroffenen besser helfen können. Zu den besonders gefährdeten Gruppen gehören junge Menschen, die in Heimen leben und oft schon in ihren Familien Gewalt erfahren haben. Von 300 Jugendlichen, die das DJI-Forschungsprojekt »Kultur des Hinhörens« in verschiedenen Heimen befragte, sprachen 7 % von einer versuchten oder erfolgten Vergewaltigung seit sie im Heim leben. 20 % haben andere Handlungen sexueller Gewalt mit Körperkontakt erlebt. Täter sind in den meisten Fällen Gleichaltrige außerhalb oder innerhalb der Einrichtung. 4 % der Übergriffe werden Fachkräften oder anderen Erwachsenen im Heim zugeschrieben.

Um Kinder und Jugendliche vor (weiterer) sexueller Gewalt zu bewahren, sind ein vertrauensvolles Verhältnis zu Fachkräften und klare Beschwerdewege in Heimen, Schulen und Vereinen entscheidend. Nach Ergebnissen der DJI-Studie wendet sich derzeit nur ein Fünftel der betroffenen Jugendlichen an Fachkräfte im Heim, da sie unter anderem negative Reaktionen und eine stärkere Kontrolle befürchten. Weniger als 5 % gehen auf Ansprechpersonen für Beschwerden in der Heimaufsicht oder im Jugendamt zu. Einer Freundin oder einem Freund vertraut sich hingegen ein knappes Drittel an. Dieses Ergebnis wird von einem weiteren Forschungsprojekt des DJI gestützt, das 4.300 Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe befragte.

»Grundlegendes Ziel der wissenschaftlichen Aufarbeitung ist das Verstehen«, betont der Sozialpsychologe Heiner Keupp, der die Studien zu den Missbrauchsfällen im Kloster Ettal sowie im Stift Kremsmünster leitete und in seinem Gastbeitrag die Ursachen für das lange Schweigen schildert. In der aktuellen Ausgabe der DJI Impulse geht es darüber hinaus um die schwerwiegenden psychischen, sozialen und körperlichen Beeinträchtigungen: Diese beschreibt der Ärztliche Direktor der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm, Jörg M. Fegert, und stellt Defizite bei Diagnose und Behandlung fest. Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, mahnt unter anderem an, der Schutz vor sexueller Gewalt aus dem Netz werde zu wenig thematisiert.

Das Forschungsmagazin DJI Impulse berichtet über die wissenschaftliche Arbeit am Deutschen Jugendinstitut, einem der größten sozialwissenschaftlichen Institute für Forschung und Entwicklung in Deutschland. Vier Mal jährlich informieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über Themen aus den Forschungsbereichen Familie, Jugend, Kindheit, Migration, Bildung, Ausbildung und Arbeit.

DJI Impulse können kostenlos abonniert und einzelne Ausgaben als Print-Exemplar bestellt oder im PDF-Format heruntergeladen werden.

  • Quelle: Deutsches Jugendinstitut
    Nockherstraße 2
    81541 München
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168 Mio. Kinder müssen arbeiten

Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeiten weltweit 168 Mio. Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren, 85 Mio. von ihnen unter gefährlichen Bedingungen, etwa in der Textilindustrie. Das schreibt die Bundesregierung in einer Antwort (18/13084) auf eine Kleine Anfrage (18/12860) der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Zu den Arbeitsbedingungen speziell bei der Herstellung von Brautmoden aus asiatischer Fabrikation lägen keine gesonderten Informationen vor.

Nach Angaben der Grünen-Fraktion stammt ein großer Teil der in Deutschland und Europa verkauften Brautkleider aus asiatischer Produktion. Aufgrund der aufwendigen und feingliedrigen Herstellung der Kleider seien in den Fabriken besonders häufig minderjährige Mädchen beschäftigt, die unter schwierigen Bedingungen arbeiten müssten.

Die Bundesregierung betont, dass sie in regelmäßigem Austausch mit der ILO stehe, um Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie zu verbessern und die Beschäftigung von Kindern und Jugendlichen zu reduzieren beziehungsweise abzuschaffen. So fördere sie unter anderem das ILO-Regionalprogramm »Arbeitsstandards in globalen Lieferketten: Aktionsprogramm für den Textilsektor«. Es verfolge das vorrangige Ziel, die Arbeitsbedingungen, den Arbeitsschutz und den Dialog der Sozialpartner in der Textilindustrie verschiedener asiatischer Länder (Pakistan, Kambodscha und Indonesien) nachhaltig zu verbessern.

  • (hib 443/2017)

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