Kurz vorgestellt 

 

Gemeinsame Sorge und Kindeswohl nach neuem Recht

Hans Heiß und Helen A. Castellanos Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2013, 1. Auflage, 262 Seiten broschiert, 38,00 Euro ISBN 978-3-8487-0134-6

Initation - Erwachsenwerden in einer unreifen Gesellschaft

Neuregelung der elterlichen Sorge – -topaktuell vorgestellt


Beide Autoren sind am bzw. für das Amtsgericht Altötting tätig – Dr. Hans Heiß als Richter am Familiengericht und Dipl. Psychologin Dr. Helen A. Castellanos (Psychologische Praxis in Laufen an der Salzach) als Sachverständige für Psychologie. Wie sich zeigt, bilden der Jurist und die Dipl. Psychologin ein fachlich gutes Autorengespann, das mit dem Buch top-aktuell ist.

Ein wenig desorientierend ist der Aufbau: Die einzelnen Teile werden als »§« überschrieben, die Literaturverzeichnisse sind ihnen vorangestellt. Der Leser gewöhnt sich jedoch rasch daran. Im § 1 Jede Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich – Fallbeispiele umreißt Castellanos fünf Fälle, als Beispiele für Sorgerechtsstreitigkeiten und um deren Variationsbreite zu verdeutlichen.


Heiß widmet sich auf fast zweihundert Seiten dem § 2 Rechtslage nach dem Reformgesetz, der den Hauptteil darstellt. Eingangs gibt er einen Überblick über die wichtigsten Änderungen. Er beginnt mit drei Fällen der gemeinsamen elterlichen Sorge (Übereinstimmende Sorgeerklärungen, Heirat der nichtehelichen Eltern, Übertragung durch das Familiengericht und Rechtsfolgen), stellt dann die Voraussetzungen für eine Übertragung vor, skizziert das Mindestmaß an Übereinstimmung der Kindeseltern und die gesetzliche Vermutung, ob eine gemeinsame Sorge dem Kindeswohl überhaupt dient. Heiß geht kurz auf die Übertragung von Teilbereichen ein, beschäftigt sich ausführlicher mit dem einfachen Verfahren und dem Übergang zum Hauptverfahren, zeigt Möglichkeiten der -Abänderung auf und bietet praxisnah zwei Antragsmuster. Sind sich die Kindeseltern uneinig, und wünscht jede/r für sich die Alleinsorge, kommt Arbeit auf alle Verfahrensbeteiligten zu. Erfreulich geht Heiß auf die Modalitäten und verschiedenen Möglichkeiten sehr ausführlich ein. Ein äußerst spannender und für die Praxis (auch von Sozialarbeiter/innen) notwendiger Teil. Es folgt ein ebenso gründlicher Abschnitt zum Thema Kindeswohlgefährdung, von Gefährdungssituationen über familiengerichtliche Maßnahmen bis hin zur Inobhutnahme und freiheitsentziehenden Maßnahmen gegenüber Kindern. Im Schlussteil beschreibt Heiß Einzelprobleme, wie von der Auswanderungsabsicht eines Elternteils bis zu grenzüberschreitenden Fällen.


Viel zu kurz kommt Castellanos in § 3 Psychologische Sicht auf das gemeinsame Sorgerecht zu Wort. Noch scheint ihr das »Ausleben der aktiven Vaterschaft ... kein selbstverständlicher Bestandteil männlicher Biografien« zu sein. (Kein Wunder, dass Castellanos vom »Väternotruf« schlechte Noten bekommt. Als ehemaliger alleinerziehender Vater wünsche ich mir, dass sie Unrecht hätte!) Ihre Auflistungen zum Für und Wider bei den Entscheidungen stellen hohe Anforderungen – an beide Elternteile, aber auch an die Verfahrensbeteiligten.


Im § 4 Jede Familie wird auf ihre eigene Weise glücklich löst Castellanos sozusagen die im § 1 beschriebenen Fälle. Letzten Endes läuft alles darauf hinaus, ob Mütter und Väter bereit und in der Lage sind, ihr Wohl gegenüber dem Kindeswohl zurückzustellen. Im Interesse des Kindes müssen die Eltern versuchen ihre eigenen Emotionen in den Griff zu bekommen, einseitig oder gegenseitig zugefügte Verletzungen ertragen zu erlernen. Das ist wohl eine der schwierigsten Entscheidungen, die zwei erwachsene Menschen zu treffen haben.


Heiß und Castellanos haben sich ein außerordentliches Verdienst zu Eigen gemacht: Ihr klar strukturiertes Werk hat seine Bedeutung nicht nur darin, dass es zeitnah zum Inkrafttreten der neuen gesetzlichen Vorschriften erschienen ist und in die »ewige« Sorgerechtsdebatte eingreift. Für eine zweite Auflage wünsche ich mir jedoch mehr Ausführungen (Quantität) von Castellanos über ihre sozialpsychologischen Sichtweisen.


Peter F. Appenheimer, Berlin

 

 

 

 


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