Tipp des Monats 

 

 

Literatur und Medien

 

»SGB VIII –​ Kinder-​ und Jugendhilfe«


 

Schlegel/​Voelske (GHrsg.):  »Juris Praxiskommentar«; darin: Luthe, Ernst-​Wilhelm u. Nellissen, Gabriele
1.604 S.;
Saarbrücken 2014
ISBN 978-​3-​86330-​037-​1; 
169 €


 

Der gänzlich neue, nun erstmals erschienene Text behandelt alle SGB VIII-​Paragrafen ausführlich, geht auch auf entfallene Paragrafen ein wie z.B. Herausnahme gem. § 43 (alt) und berücksichtigt die neuesten Änderungen des SGB VIII insbesondere durch das Kinder-​ und Jugendhilfeverwaltungsvereinfachungsgesetz vom 29.08.2013 sowie durch Art. 5 des Gesetzes zur Reform der elterlichen Sorge nicht mit einander verheirateter Eltern vom 16.04.2013. Ein weiterer Schwerpunkt sind die Änderungen durch das Kinderförderungsgesetz, die mit Wirkung vom 01.08.2013 in Kraft getreten sind.

Praktisch erscheint mir, dass im Anschluss an die Kommentierung des § 8a SGB VIII das KKG, Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz, eingefügt und erläutert wird.

Im Anhang des Kommentars finden wir die Kostenbeitragsverordnung Stand: 12/​2013, die auf den § 75 SGB VIII bezogenen Grundsätze für die Anerkennung von Trägern der freien Jugendhilfe sowie Auszüge aus dem BGB, i.e. §§ 1626 (14 wichtige Paragrafen aus dem Bereich der §§ 1626 bis 1851, aber, merkwürdig, ohne den § 1631a), dem FAmFG (zwölf Paragrafen aus dem Feld der §§ 155 bis 213, etwas willkürlich), acht Paragrafen aus dem JGG (aber ohne § 105, dieser auch relevante fehlt, schade), und dem AdvermiG (abgedruckt werden die §§ 4, 5, 9, 10, 11 und 13). Anders als das KKG werden diese Anhang-​Bestimmungen nicht kommentiert.

Der Text wird abgeschlossen durch ein 15-​Seiten Stichwortverzeichnis. Sehr beachtenswert und somit Referenz für zukünftige Veröffentlichungen ist in meinen Augen die direkte Anbindung einer E-​Book-​Leselizenz und des Online-​Zugangs zum Text.

An der Abfassung waren 19 Bearbeiter/​innen beteiligt. Aus meiner Sicht hervorzuheben sind die Passagen zu den Erzieherischen Hilfen gem. §§ 27 bis 35, um die sich die Mitherausgeberin Nellissen selbst engagiert gekümmert hat. Luthe kommentierte den Anfang, nämlich die §§ 1, 3, 4, 5, 7 und 10. Hildegund Sünderhauf kommentierte die sicher auch wichtigen §§ 16 bis 21, Peter Schruth die §§ 11 bis 15 und 50 –​ der darin enthaltene § 13 Jugendsozialarbeit ist in meinen Augen eine besondere Herausforderung! Melanie Käßler ist die Autorin zu den aktuell sehr angesagten Kinderschutzpositionen; sie kommentiert die §§ 8a und 8b, das KKG sowie die §§ 72a, 82 und 83. Auch der Beitrag der Katharina von Koppenfels-​Spies beinhaltet mächtige Herausforderungen, denn sie kümmerte sich um die umstrittenen §§ 35a (Eingliederungshilfe für seelisch Behinderte Kinder und Jugendliche) ff. bis zum § 41 (Hilfe für junge Volljährige, Nachbetreuung). Die in § 42 beschriebene Inobhutnahme hätte auch mit der §§ 8a/​8b-​Kommentierung verknüpft werden können; im Luthe/​Nellisen wird sie aber von Guido Kirchhoff erfasst, der sich auch um die §§ 61 bis 65 sowie um § 68kümmert.

Die Liste der durchweg engagierten Bearbeiter/​innen soll hier komplettiert werden: es sind des weiteren Hans-​Martin Bregger, Angela Busse (zu den §§ 43 bis 49, nicht wie im Verzeichnis fehlerhaft angekündigt zu §§ 37 bis 49), Frank Eger, Tobias Fröschle, Hermann Heußner, Klaus Krome, Burkhard Lange, Jörg Reinhard, Stephan Rixen, Egbert Schneider, Klaus Streichsbier und Kerstin Telscher.

Eine Bewertung des über 1.600 Seiten starken Dokuments steht mir nicht zu. Bei der Auswahl aus den aktuell lieferbaren SGB VIII-​Kommentaren werden Käufer auf den Umfang achten (ein solches Werk bietet sehr viel und hat seinen Preis) und auf die hier mitarbeitenden Autoren; sie konkurrieren mit »dem Münder«, der immer als progressiv galt, »dem Kunkel«, einem eher konservativen, was aber beides beim Konflikt mit dem Jugendamt weder fachlich noch taktisch weiterhilft. Weit verbreitet ist heute vor allem Wiesner, der »Kronzeuge«, denn wer beteiligt war an der Ausformulierung vieler Positionen des damals, 1990, neuen Gesetzes, muss schließlich wissen, wie es gemeint war und ist. Walter Schellhorn, Non plus ultra, was das BSHG/​SGB XII angeht, wird in der Jugendhilfe weniger herangezogen und die diversen Loseblattsammlungen (früher sehr kompetent und verbreitet: Krug/​Grüner/​Dalichau sowie Hauck u.a.) haben an Terrain verloren, weil nicht das Basiswerk, wohl aber die Nachlieferungen vielen Dienststellen viel zu kostspielig geworden sind.

Ich schließe meine kurzen Eindrücke zum vorliegenden Text ab mit einer wohl vollständigen Liste der aktuell käuflichen SGB VIII-​Kommentare, damit sich alle kritischen Leser/​innen der »Jugendhilfe«, mit mehr oder weniger Geld im Haushalt für Fachliteratur, selbst eine Vorstellung von diesem Marktsegment und der Konkurrenten machen können. Das soll bitte die inhaltlich auf zwei Zeitschriftenseiten unmögliche Rezension der unterschiedlichsten, sorgfältig zusammengestellten Einschätzungen und Texte im Luthe/​Nellissen kompensieren.

Andere Kommentare zum SGB VIII mit Überarbeitungen nach 2012, Texte älteren Datums werden an dieser Stelle nicht gezeigt, weil viele wesentliche Änderungen (so die §§ 8a, 8b, Einführung des KKB, der neue § 36a) dort noch keine Berücksichtigung hätten finden können:

I Aktuelle Auflagen von Fachbüchern

  • Wiesner SGB VIII –​ Kinder-​ und Jugendhilfe. Kommentar; 5., überarbeitete Auflage Oktober 2015. 2.085 S., München; ISBN 978-​3-​406-​66634-​6. 90 €
    (Aktuell ist in dieser neuen Veröffentlichung die Einarbeitung der Änderungen des SGB VIII durch das Präventionsgesetz vom 17.07.2015 sowie der Abdruck der geplanten Regelungen des am 15.07.2015 vom Bundeskabinett verabschiedeten Entwurfs eines Gesetzes zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher mit den Entwurfsfassungen zu §§ 42a –​ 42e sowie § 88a SGB VIII).
  • »Frankfurter Kommentar zum SGB VIII: Kinder-​ und Jugendhilfe«: Münder/​Meysen/​Trenczek (Hrsg.); 7. Aufl., Baden-​Baden 2013. 959 S.; ISBN 978-​3-​8329-​7561-​6. 60 €.
  • »Sozialgesetzbuch VIII, Kinder-​ und Jugendhilfe: Lehr-​ und Praxiskommentar«: Kunkel (Hrsg.); 5. Aufl., Baden-​Baden 2014. 1.311 S. ISBN 978-​3-​8487-​0798-​0. 98 €.
  • »SGB VIII, Kinder-​ und Jugendhilfe –​ Kommentar«: Schellhorn/​Fischer/​Mann/​Schellhorn/​Kern (Hrsg.); 4. Aufl., Köln 2016; 900 S. ISBN 978-​3-​472-​07977-​4. 68 €
  • »Kommentar zum Sozialrecht: SGB I bis SGB XII, SGG, BAföG, BEEG, Kindergeld (EStG), UnterhaltsvorschussG, WoGG«: Knickrehm/​Kreikebohm/​Waltermann (Hrsg.); 4. Aufl. München 2015. 3.143 S. ISBN 978-​3-​406-​65698-​9. 229 €.

II Loseblatt-​Texte

  • Jans/​Happe/​Saubier/​Maas: »Kinder-​ und Jugendhilferecht –​ Kommentar«; Stand: 52. Erg.Lfg. 2015. Stuttgart; 250 €.
  • Fieseler/​Schleicher/​Busch/​Wabnitz (Hrsg.): »GK-​SGB VIII –​ Kinder-​ und Jugendhilferecht, Gemeinschaftskommentar zum SGB VIII«; Grundwerk mit 61. Erg.Lfg. 2015. 4.200 S; Luchterhand, ISBN 978-​3-​472-​03165-​9. 198 €.
  • Krug und Riehle (Hrsg.): »SGB VIII Kinder-​ und Jugendhilfe –​ Kommentar«; Luchterhand. 167. Erg.Lfg. 2015. 298 €.
  • Jahn: »Sozialgesetzbuch (SGB) für die Praxis«; 12 Ringbuch-​Bände, 272. Erg.Lfg. 2015; 14.000 S.; darunter der Band von Jung: »VIII Kinder-​ und Jugendhilfe –​ Kommentar«; Freiburg. 298,53 €.
  • Hauck/​Noftz/​Stähr: »Sozialgesetzbuch (SGB) VIII: Kinder-​ und Jugendhilfe«; 3.616 S.; letzte Erg.Lfg. März 2016. 184 €.

Manfred Günther, Berlin

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