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Grenz-Setzungen bei Mädchen in der Jugendhilfe

Birgit Bütow

Zwischen der Förderung von weiblicher Eigensinnigkeit und der Notwendigkeit, Mädchen in den Erziehungshilfen Grenzen zu setzen, scheint es einen unauflöslichen Widerspruch zu geben. Die Praxis der Jugendhilfe zeigt, dass Genderkonstruktionen in Gestalt von überkommenen Stereotypen nach wie vor immer noch gültig sind und dazu führen, dass Mädchen benachteiligt und biografische Erfahrungen durch die Jugendhilfe und insbesondere Praktiken der Grenz-Setzung repliziert werden. Dies wird anhand aktueller Studien exemplarisch aufgezeigt. Zugleich wird darauf insistiert, dass Jugendhilfe auch die Aufgabe hat, Mädchen darin zu bestärken, Grenzen zu setzen. Mit Rekurs auf die Prämisse der parteilichen Mädchenarbeit wird skizziert, dass zwischen dem Setzen von Grenzen und der Förderung des Eigensinns von Mädchen kein Widerspruch besteht. Vielmehr bedarf es eines komplexen pädagogischen Arrangements, um Genderkonstruktionen als Ausgangs- und Reflexionsinstrument in eine solche Praxis zu transformieren.

Der von der Band »Pandora’s Box« im Jahr 1989 erstmalig aufgeführte Song »Good Girls go to Heaven bad Girls go Everywhere« umschreibt treffend, wenn auch sehr verkürzt, die (feministische) mädchenpolitische bzw. mädchenpädagogische Prämisse, Mädchen in ihrer Eigensinnigkeit zu unterstützen, ihre Non-Konformität zu akzeptieren und Schwierigkeiten, die Mädchen haben und machen, nicht ursächlich ihnen selbst zuzuschreiben (Bitzan/Bütow 2010). Vielmehr wird davon ausgegangen, dass es auch gegenwärtig noch gesellschaftliche Verhältnisse gibt, die Mädchen und Frauen in ihrer Lebensgestaltung und in ihren (beruflichen) Chancen im Vergleich zu Jungen vielfach einschränken (Bütow/Munsch 2017). Aktuelle Diskussionen und empirische Befunde verweisen darauf, dass Mädchen in der Jugendhilfe besondere Begrenzungen in ihrem bisherigen Leben erfahren mussten und zudem durch ihre geschlechtsspezifischen biografischen Bewältigungsmuster weniger im Blickwinkel pädagogischer Aufmerksamkeit sind (z.B. Weber/Kirchhart 2017). Seit Einführung der Kinder- und Jugendhilfestatistik wird daher konstatiert, dass Mädchen in allen Hilfearten zur Erziehung unterrepräsentiert (z.B. Fendrich/ Pothmann/Tabel 2016) und allenthalben von der »Familialisierung« bei Hilfen zur Erziehung betroffen sind (Hartwig 2017): So werden ihnen im Vergleich zu Jungen eher familienorientierte Hilfen (Sozialpädagogische Familienhilfe; Vollzeitpflege) gewährt. Damit wird der Gefahrenort »Familie« für die körperliche und psychische Integrität von Mädchen oft unterschätzt (vgl. ebd.). Einen Beitrag darüber zu schreiben, wie »Grenzsetzung« bei Mädchen in der Jugendhilfe zu diskutieren wäre, ist daher alles andere als trivial. Es sind vielmehr mehrere Perspektivierungen vorzunehmen.

Den vollständigen Beitrag finden Sie im aktuellen Heft der Jugendhilfe.

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