Thema 

 




Cybermobbing

Ruth Festl

Cybermobbing im Kindes- und Jugendalter rückte in den letzten Jahren nicht nur in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung, sondern hat sich auch als interdisziplinäres Forschungsfeld zunehmend etabliert. Aktuelle Verbreitungszahlen bestätigen zwar eine niedrigere direkte Betroffenheit der Heranwachsenden als beim traditionellen Mobbing in der Schule. Dennoch zeigen empirische Untersuchungen, dass gerade im Schulkontext viele Kinder und Jugendliche zumindest als Beobachter mit Mobbingvorfällen in Kontakt kommen. Im nachfolgenden Artikel werden zunächst zentrale Definitionskriterien von Mobbing vor dem Hintergrund digitalisierter Kommunikationsmöglichkeiten reflektiert. Anschließend werden verschiedene Formen von Cybermobbing sowie zentrale Einflussfaktoren erläutert. Abschließend wird diskutiert, wie die ermittelten Befunde Präventions- und Interventionsstrategien vor neue Herausforderungen stellen.

1. Einleitung

Mit dem Aufkommen und der intensiven Verbreitung (mobiler) digitaler Kommunikationstechnologien und -anwendungen innerhalb des letzten Jahrzehnts hat sich auch die öffentliche Wahrnehmung damit einhergehender Risiken deutlich verstärkt. Dabei spielt die mediale Berichterstattung eine wichtige Rolle: Über die Verbreitung sogenannter »media panics« (Drotner 2009) wurden demnach bestimmte Risiken in der Onlinenutzung von Kindern und Jugendlichen stärker in den Fokus gerückt. Beispiele hierfür waren in den letzten Jahren immer wieder Fälle von Cybermobbing, die zumeist als tragische Schicksale einzelner Personen dargestellt wurden, während begünstigende systemische oder strukturelle Faktoren zumeist ausgeklammert wurden. Auch diese tragischen Vorfälle haben dazu beigetragen, dass nicht nur ein enormes öffentliches Interesse an Cybermobbing besteht, sondern sich auch nach und nach ein interdisziplinärer Forschungsschwerpunkt entwickelt hat. Während frühe Studien sehr explorativ einzelne Formen, Nutzergruppen und auch Erklärungsfaktoren in den Blick genommen haben, existieren inzwischen umfangreiche Meta-Analysen und auch Längsschnittstudien, die systematischere Aussagen über die Verbreitung, Erklärung und Folgen von Cybermobbing zulassen. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2014 bestätigt bspw. eine moderate direkte Betroffenheit von Jugendlichen mit 16 %, die Cybermobbing bereits als Täter ausgeübt haben, und 15 %, die bereits Opfer von Cybermobbing waren (Modecki/Minchin/Harbaugh/Guerra/Runions 2014). Damit liegen die Verbreitungszahlen unter den Werten, die sich bei traditionellen Mobbingformen an den Schulen zeigen. Allerdings muss zum einen bedacht werden, dass traditionelles Mobbing und Cybermobbing oftmals Hand in Hand miteinander gehen und somit auch eng verknüpft sein können. Zum anderen gibt es gerade im Kontext von Cybermobbing oftmals eine Vielzahl an nicht direkt involvierten Personen, die als Zuschauer den Vorfall beobachten, aber durch ihr Handeln (bspw. das Weiterleiten von Beiträgen oder Fotos) auch direkt den Täter oder das Opfer unterstützen können. Somit liegt die Vermutung nahe, dass viele Kinder und Jugendliche in ihrem Alltag zumindest indirekt mit Cybermobbing in Berührung kommen. Demnach handelt es sich bei Cybermobbing trotz der vergleichsweise niedrigeren direkten Betroffenheit von Jugendlichen durchaus um ein relevantes Phänomen, das gerade Schulen vor neue Herausforderungen in der Prävention und Intervention stellt.

Den vollständigen Beitrag finden Sie im aktuellen Heft der Jugendhilfe.

... nach oben

 


Themen - Archiv

   
 

einen Überblick über die Themen-Beiträge der vergangenen Monate finden Sie im Archiv

 

klicken Sie hier, um ins Themen - Archiv zu gelangen