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Grenzen für Jungs in der Jugendhilfe

Wolfgang Tischner

Jungen und Mädchen leben, trotz vieler Gemeinsamkeiten, in verschiedenen Welten. Das hat unter anderem auch Auswirkungen darauf, was sie, bezogen auf ihr jeweiliges Geschlecht, erzieherisch brauchen und wie sie auf einzelne Erziehungsmaßnahmen ansprechen.

Die folgenden Ausführungen dazu, die aus Gründen notwendiger Beschränkung nur wenig ins Detail gehen können, markieren, dargestellt am Beispiel der Erziehungshilfen, lediglich geschlechtstypische Tendenzen, die sich nicht eins-zu-eins auf den Einzelfall übertragen lassen.

1. Leitlinien der Jugendhilfe und deren pädagogische Umsetzung

Aufgabe der Jugendhilfe ist neben der Bildung, Betreuung, Förderung und dem Schutz junger Menschen wesentlich deren Erziehung, welche durch öffentliche und freie Träger auf der rechtlichen Grundlage des Sozialgesetzbuches VIII sowohl im Rahmen von Regelangeboten wie Kindertageseinrichtungen oder offene Jugendarbeit als auch im Rahmen (korrektiver) heilpädagogischer Angebote, meist außerhalb der Familie, erfolgt.

Das Recht des jungen Menschen auf »Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit« (§ 1 SGB VIII) bildet in Deutschland, neben jenem auf »Förderung seiner Entwicklung«, die oberste Leitlinie der Jugendhilfe. Dies gilt auch und in besonderem Maße für solche Kinder und Jugendliche, deren Aufwachsen vor und/oder während der Inanspruchnahme einer Maßnahme der Jugendhilfe, meist aufgrund weitgehend chaotischer Familienverhältnisse, durch eine oft schwerwiegende elterliche Mangel- oder Fehlerziehung geprägt war bzw. ist.

Kinder und Jugendliche, für die dies zutrifft und die deshalb unter den Bedingungen eines ausgeprägten Mangels an stabilen und konsistenten erzieherischen Grenzen, Regelhaftigkeiten und Strukturen aufgewachsen sind, entwickeln häufig massive soziale Auffäl­ligkeiten. Aus Gründen des Ausgleichs eines solchen Mangels benötigen sie im Rahmen heilpädagogischer Maßnahmen der Jugendhilfe, in der Regel in der rechtlichen Form einer Hilfe zur Erziehung gem. §§ 27 ff. SGB VIII, besonders klare und verbindliche erzieherische Grenzen. Dies geschieht sowohl in Form eines betont stringenten Ord­nungsrahmens als auch einer besonders engmaschigen pädagogischen Führung.

Zum Erreichen des vorgegebenen pädagogischen Ziels einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit, zu welchem die Jugendhilfe gem. Abs. 3 des § 1 beitragen soll, bedarf es in der Diktion Friedrich E.D. Schleiermachers sowohl die kindliche Selbstentwicklung »unterstützender« als auch »gegenwirkender« Maßnahmen der Erziehung, wobei die unterstützenden Maßnahmen die in der Erziehung vorherrschenden sein sollten (1964, 112). Anders als junge Menschen, deren Entwicklung ohne nennenswerte Störungen verlaufen ist, bedürfen insbesondere Kinder und Jugendliche, deren Entwicklung aus den genannten Gründen in gravierendem Umfang beeinträchtigt ist, jedoch vermehrt auch gegenwirkender Maßnahmen wie Grenzensetzen, Ermahnen, Tadeln, Konfrontieren, (bewusstes) Ignorieren und, nicht zuletzt, der Strafe.

Den vollständigen Beitrag finden Sie im aktuellen Heft der Jugendhilfe.

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