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Traumapädagogischer Umgang mit Regeln und Grenzen

Hans-Jörg Koten

75 % der betreuten Mädchen und Jungen in teilstationären und stationären Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe haben nach einer Studie (Schmid, Jaritz und Wiesinger) traumatische Lebensereignisse. Die Folgen dieser Belastungen zeigen sich in den Überlebens- und Bewältigungsstrategien, welche diese Kinder und Jugendlichen (im nachfolgenden wird der Einfachheit halber nur noch von Kindern gesprochen) entwickelt haben. Oftmals führen diese Strategien die Mitarbeitenden in den Einrichtungen an eigene Belastungsgrenzen. Äußere Sicherheiten helfen Fachkräften und Kindern, sich zu stabilisieren und inneren Halt zu entwickeln.

Traumatisierte Kinder benötigen eine starke äußere Sicherheit. Diese finden sich vor allem durch haltgebende Strukturen und einschätzbare, verlässliche Bindungsangebote. Beide berücksichtigen die bisherigen Bindungserfahrungen und Übertragungsdynamiken der Kinder. Unsicherheit bei den Kindern verunsichert auch die Fachkräfte. Ein traumapädagogischer Umgang mit Regeln und Konsequenzen berücksichtigt die Erkenntnisse der Bezugswissenschaften und stellt Sicherheit bei den Fachkräften nicht durch Reglementierung und Sanktionierung her, sondern durch einen am einzelnen Kind und Mitarbeitenden orientierten Handlungsrahmen. Selbstbemächtigung im Umgang mit Regeln bedeutet: demokratische Aushandlungsprozesse, Ernstnehmen von kindlichen Bedürfnissen, Stärkungen des Subjekts und Vertrauen in die Kompetenzen der einzelnen Fachkräfte und der Gruppe. Und es bedeutet die Berücksichtigung, dass Kinder, deren eigene Grenzen massiv missachtet wurden, durch einen sensiblen Umgang mit Grenzen wieder eigene Grenzen und darüber dann auch Grenzen anderer achten lernen.

1. Die Traumapädagogik

Traumapädagogik ist Mitte der 90er-Jahre in teilstationären und stationären Einrichtungen der Kinder-und Jugendhilfe entstanden. Sie ist Antwort auf die Frage, mit welchen Möglichkeiten Kinder mit traumatischen Lebensbelastungen in der pädagogischen Arbeit seit nunmehr über 10 Jahren hilfreich begleitet werden. Traumapädagogik ist erforderlich, da die Überlebensstrategien der traumabelasteten Kinder in der Kinder- und Jugendhilfe eine Teilhabe am Leben in der Gruppe und in der Gesellschaft erschweren. Martin Kühn und Wilma Weiß, die zusammen den Fachverband Traumapädagogik gründeten, werden als zentrale MitbegründerInnen benannt.

Den vollständigen Beitrag finden Sie im aktuellen Heft der Jugendhilfe.

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