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Grenzsetzung und Kinderrechte

Der Kinderrechtsansatz in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Jörg Maywald

Das Bedürfnis nach sinnvollen Begrenzungen, Regeln und Strukturen gehört zu den Grundbedürfnissen jedes Kindes (Brazelton/Greenspan 2009). Durch wohlwollende erzieherische Grenzziehung lernen die Kinder, ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen, Nähe und Distanz angemessen zu regulieren und die Grenzen anderer Menschen zu respektieren. Entscheidend ist dabei, dass Grenzsetzungen kindgerecht erfolgen, das heißt mit den Rechten der Kinder vereinbar sind. Die Einführung des Kinderrechtsansatzes und einer damit verbundenen Ethik pädagogischer Beziehungen auf Basis der in der UN-Kinderrechtskonvention niedergelegten Menschenrechte für Kinder bieten hierfür die zentrale Orientierung.

1. Warum wir eine wertebasierte Pädagogik brauchen

Die Erfahrungen im Umgang mit Werten und den darauf aufbauenden Rechten, die Kinder in der Familie und den für sie geschaffenen pädagogischen Einrichtungen machen, haben einen großen Einfluss auf die Bildung ihrer Persönlichkeit. Inwieweit sich Kinder als aktive Mitglieder einer Gemeinschaft erleben können, die für die Rechte des Einzelnen eintritt und Mitgestaltung ermöglicht, aber auch Grenzen und Regeln markiert, hat große Auswirkungen auf ihre moralische Entwicklung und politische Sozialisation.

Ausgangspunkt einer wertebasierten Pädagogik ist die jedem Kind innewohnende und unverlierbare Würde. Um die Würde des Kindes zu achten und zu schützen, bedarf es grundlegender Menschen- und Kinderrechte. Ebenso wie die kindliche Würde sind die fundamentalen Kinderrechte untrennbar mit dem bloßen Faktum des Menschseins verbunden. Sie stehen jedem Kind allein deshalb zu, weil er ein Mensch ist.

Menschenwürde und Menschenrechte haben eine Freiheits-, eine Gleichheits- und eine Inklusionsdimension. Die Freiheitsdimension kommt in dem Respekt vor der Fähigkeit jedes Menschen zum Ausdruck, eigenaktiv zu sein, Verantwortung zu übernehmen und damit selbst- und mitverantwortlich zu handeln. Die Gleichheitsdimension äußert sich darin, dass Würde und Grundrechte jedem Menschen gleichermaßen zukommen. Als Subjekt übernimmt jeder Mensch Verantwortung, und alle Menschen sind hinsichtlich Menschenwürde und Menschenrechte gleich. Die Dimension der Inklusion schließlich macht deutlich, dass Freiheit nur im Miteinander der Menschen praktisch gelebt werden kann und auf die Solidarität der Menschen untereinander angewiesen ist.

Die Würde des Kindes zu achten und Kinder als Rechtssubjekte zu respektieren, ist Aufgabe aller Akteurinnen und Akteure in der Arbeit mit Kindern und für Kinder. Eine Pädagogik, die vom Kind aus denkt, ist auf die Orientierung an global legitimierten Kinderrechten dringend angewiesen. Damit verbunden ist zugleich die Absage an paternalistische Haltungen. Kinder sind nicht bloß Objekt des Schutzes und der Fürsorge. Eine an den Kinderrechten orientierte Pädagogik respektiert das Kind als eigenständigen Träger von Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechten.

Den vollständigen Beitrag finden Sie im aktuellen Heft der Jugendhilfe.

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