Thema 

 


Vielfalt familiärer Lebenswelten

Steffen Großkopf

Im Text wird die Diskussion um die Vielfalt der Familie anhand der Begriffsentwicklung sowie der Strukturtheorie verfolgt. Es wird die Frage gestellt, warum die Normalfamilie einerseits so persistent ist und andererseits inzwischen andere Familienformen Akzeptanz finden. Es wird argumentiert, dass die Vielfalt Normalität ist, aber nun erst Anerkennung findet, weil sich das Bedürfnis und die Befindlichkeit einer privilegierten Schicht massiv verändert hat und zugleich seitens der Wirtschaft ein Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften vorliegt. Für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen bedeutet diese Anerkennung der Vielfalt der Familie eine massive Institutionalisierung der Kindheit und damit einhergehend eine De-Individualisierung der Erziehung.

»Es ist überhaupt nicht von ›der‹ Familie zu sprechen.« (Marx/Engels 1845/46) – Ein paar Gedanken zur Rede von der Vielfalt der Familie

Wenn es in den sozialwissenschaftlichen und öffentlichen Diskussionen um Familie geht, ist die Rede von der Vielfalt oder Pluralität der Familie(n) zur Standardformel geworden. Obschon das seit mehr als einem viertel Jahrhundert der Fall ist, erfreut sich das Thema weiterhin hoher Beliebtheit bzw. behält es seinen Neuigkeitswert. Grundsätzlich steht Familie – wie auch immer definiert – im (Sozial)Staat unter Beobachtung. Auf der einen Seite wird sie gelobt und gefördert – »Auf der anderen Seite sind Professionelle und Politiker zumindest mit einem Teil der Eltern und deren Leistungserbringung nicht zufrieden. Diese Unzufriedenheit erstreckt sich auf einen breiten Kranz von »abzustellenden« Faktoren – von vermeintlich zu ungesunder Ernährung über mediale Überforderung bis hin zu mangelnder Förderung des zukünftigen Humankapitals. Dass Kinder und Jugendliche in Deutschland, trotz einiger nicht zu vernachlässigender Risikogruppen hierzulande gut aufwachsen (…), und dass die Eltern hierfür auch »verantwortlich« sind, findet kaum ein Echo.« (Oelkers/Lange 2012, 71)

Familie hat offenbar – das ist nicht selten im Falle pädagogisch (oder eher sozialpolitisch?) relevanter Begriffe – einen Doppelcharakter. Wie ›Bildung‹ und ›Erziehung‹ ist ›Familie‹ Problem und Lösung zugleich. Das macht den Begriff – er aktualisiert handlungsleitende Bilder mit starken normativen Implikationen (Wiezorek/Bauer 2017, Schneider u.a. 2015) – entsprechend wirkmächtig und zugleich relativ immun. Er ist offenbar so zentral geworden in bzw. mit der Moderne, dass er eher einen Bedeutungswandel als die Abschaffung erfährt, die manche so vehement fordern. Zugleich scheint er sich gegen diesen Bedeutungswandel auch zu sperren. Diese Aspekte sind zentral für die Diskussion einer Vielfalt der Familie und dem damit verbundenen Aufwachsen von Kindern.

Den vollständigen Beitrag finden Sie im aktuellen Heft der Jugendhilfe.

... nach oben

 


Themen - Archiv

   
 

einen Überblick über die Themen-Beiträge der vergangenen Monate finden Sie im Archiv

 

klicken Sie hier, um ins Themen - Archiv zu gelangen