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Medienbildung und Medienkompetenz

Rudolf Kammerl

Im öffentlichen Diskurs haben die Begriffe Medienbildung und Medienkompetenz verstärkt Konjunktur. Was ist darunter zu verstehen? Wie unterscheiden sie sich? Während Medienkompetenz auf Kommunikative Kompetenz verweist und die Dimensionen Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung umfasst, wird Medienbildung in der bildungstheoretischen Tradition sowohl transitiv wie intransitiv verstanden. Der Beitrag versucht wichtige Traditionslinien und Positionen nachzuzeichnen und ordnet aktuelle bildungspolitische Initiativen zur Digitalisierung und zur Bildung in der digitalen Welt ein.

Die Begriffe Medienkompetenz und Medienbildung werden aktuell zwar häufiger, aber häufig ohne Berücksichtigung ihrer theoretischen Grundlegung verwendet. Zwar lassen sich die Begriffe scheinbar einfach semantisch in die Wortfelder Bildungssystem, Allgemeinbildung und Kompetenzorientierung einordnen, eine Reduktion der Medienkompetenz auf Handhabung von Medien wäre aber ebenso falsch wie die Gleichsetzung der Medienbildung auf die Frage nach der Ausstattung der Bildungseinrichtungen mit digitalen Medien.

1. Medienkompetenz

Medienkompetenz kann zurückgeführt werden auf Dieter Baackes Adaption des Konzeptes »Kommunikative Kompetenz« (Habermas 1971). Ausgehend von der potenziellen Fähigkeit jedes Menschen, situations- und aussagenadäquat zu kommunizieren, rückte Baacke die Kompetenzen in den Mittelpunkt, die nötig sind, um in von Massenmedien geprägten Demokratien zu partizipieren (Baacke 1975). Entsprechend standen in der Medienpädagogik die Befähigung zur Kritik der Massenkommunikation und der Erwerb der Kompetenzen, die dazu notwendig sind, die eigenen Interessen mit Hilfe von Medien auszudrücken, besonders im Vordergrund. Baacke spezifizierte Medienkompetenz durch die Dimensionen Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung (vgl. Baacke 1996). Als Medienkompetenz wird im Fachdiskurs der Teil kommunikativer Kompetenz und sozialer Handlungsfähigkeit verstanden, den Kinder und Jugendliche für die Bewältigung zentraler Entwicklungsaufgaben und für eine souveräne Lebensführung in einer mediatisierten Gesellschaft erwerben müssen. Hierzu gehören:

  1. Das Wissen und die Reflexion über die Strukturen, Angebote und Funktionen der jeweils aktuellen Medienwelt.
  2. Kompetenzen zum selbstbestimmten Gebrauch von Medien als Mittel und Wege der Artikulation und Partizipation.
  3. Die Befähigung zu fortwährender eigen- und sozialverantwortlicher Positionierung zur jeweils aktuellen Medienwelt sowie zum eigenen Medienhandeln und dem Medienhandeln Anderer in dieser mediatisierten Welt. (Dt. Telekom Stiftung 2015, 8.)

Für Kinder und Jugendliche gilt besonders, dass sie im digitalen Wandel zunehmend mit den Chancen und Risiken digitaler Mediennutzung konfrontiert sind: Ihre sozialen Lebensbereiche wie Familie, Peer-Group, Schule oder Ausbildung sind zunehmend medial durchdrungen und stellen umfangreiche Medienensembles bereit. Inwieweit und auf welche Weise auch informelle Lernprozesse und Arbeiten für die Schule in ihrer Internetnutzung verankert sind, hängt stark von der sozialen Herkunft ab. Freunde sind die ersten Ansprechpartner zu Medienfragen. Wegen fehlender institutionalisierter Angebote sind in Deutschland sozial bedingte Unterschiede deutlich ausgeprägter als im Durchschnitt der Vergleichsgruppen EU und OECD (Bos et al. 2014). Das BMBF wies auf die »drohende digitale Spaltung der Gesellschaft« (BMBF 2009, 5) hin. Der 15. Kinder- und Jugendbericht stellt heraus, dass für Teilhabe und Gestaltung unserer Gesellschaft zunehmend Medienkompetenz erforderlich wird, »denn digitale Kompetenzen sind immer häufiger Grundlage erfolgreicher Arbeits- und Bildungsbiografien«. (BMFB 2017, 21 und 299 ff.).

Den vollständigen Beitrag finden Sie im aktuellen Heft der Jugendhilfe.

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