Thema 

 



Innerfamiliäre Konflikte, Trennung und Scheidung

Peter Noack

Wenn auch nicht die Mehrheit, so erlebt eine große Zahl von Kindern die Trennung ihrer Eltern. In diesem Beitrag wird erläutert, dass die Mehrheit dieser Jungen und Mädchen diese Herausforderung ohne starke negative Konsequenzen für ihre Entwicklung bewältigen, während eine Untergruppe deutliche Belastungen zeigt. Nachdem zunächst Trennungsfolgen i.e.S. von möglichen Selektionseffekten unterschieden werden, geht es im Weiteren vor allem, erstens, um die Frage, welche Aspekte des Trennungsgeschehens wesentlich für problemhafte Folgen verantwortlich sind, sowie, zweitens, darum, welche Bedingungen dazu beitragen, dass eine Trennung nicht auf alle Jungen und Mädchen dieselben Effekte zeitigt. Vor diesem Hintergrund lassen sich Ansatzpunkte für eine Unterstützung der betroffenen Familien identifizieren.

1. Einleitung

Schon seit längerer Zeit gehören die elterliche Trennung in einer Familie, das Aufwachsen der Kinder mit einem alleinerziehenden Elternteil und gegebenenfalls dessen neue Partnerschaft ihrer Verbreitung nach zu den normalen Varianten der Entwicklung von Familien in Deutschland. Zwar haben nach einem Höhepunkt zu Beginn der 2000er-Jahre Scheidungen leicht abgenommen. Mit über 163.000 Fällen im Jahr 2015 bewegen sich die absoluten Zahlen jedoch weiterhin auf einem hohen Niveau ebenso wie die sog. Scheidungsquote, auf 100 Eheschließungen kommen derzeit etwa 41 Scheidungen. Die Zahlen sind vor allem zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren schnell angestiegen, wobei allerdings durchaus hohe Werte auch in den direkten Nachkriegsjahren zu verzeichnen waren. Auch wenn die Scheidungsquote nicht nur von der Menge der Scheidungen, sondern auch von der abnehmenden Zahl der Eheschließungen abhängt, lässt sich festhalten, dass etwa ein Drittel der eingegangenen Ehen scheitert, wobei der Anteil in Großstädten noch höher liegt.

In etwa der Hälfte der Fälle sind minderjährige Kinder betroffen. Im Jahr 2015 waren es knapp 132.000 Jungen und Mädchen im Bundesgebiet. Die wirkliche Größenordnung der Kinder, die eine Trennung ihrer biologischen Eltern erleben, dürfte damit aber noch unterschätzt werden. Gerade angesichts der über die vergangenen Jahrzehnte deutlich gesunkenen Zahlen der Eheschließungen und ansteigenden Quoten von Kindern, die bei ihren nicht-verheirateten Eltern aufwachsen, aktuell ungefähr jedes 10. minderjährige Kind, ist von deutlich mehr Fällen auszugehen, wobei zuverlässige Zahlen nur schwer zu ermitteln sind.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung, die zwar in ihrem Umfang zwischen Ländern variiert, aber zumindest in Europa und Nordamerika im Trend vergleichbar ist, hat es inzwischen eine Menge Forschungsbemühungen gegeben, die den Folgen für die betroffenen Jungen und Mädchen nachgegangen sind und im Überblick zu recht eindeutigen Ergebnissen kommen: Erstens, im Mittel weisen Kinder, deren Eltern sich trennen, in einer Vielzahl betrachteter Merkmale stärkere Belastungen auf als Gleichaltrige, die keine Trennung ihrer biologischen Eltern erleben. Zweitens, die Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen sind in Abhängigkeit vom betrachteten Merkmal gering bis moderat. In anderen Worten, die Mehrzahl der betroffenen Kinder zeigt keine oder nur geringfügige Auffälligkeiten und nur eine Minderheit ist deutlich belastet.

Wie angedeutet zeigen sich Auffälligkeiten in verschiedenen Entwicklungsbereichen. Neben dem Selbstkonzept wird dies bspw. für aggressives Verhalten und Verhaltensstörungen berichtet, ebenso für internalisierende Probleme wie depressive Verstimmungen oder gesteigerte Angst. Unterschiede finden sich auch hinsichtlich Schulerfolg und sozialer Beziehungen. Bei Letzteren ist bspw. eine im Mittel frühere Aufnahme sexueller Aktivitäten, ein früheres Eingehen von Partnerschaften sowie im weiteren Leben ein jüngeres Alter bei der ersten Geburt und eine höhere eigene Trennungswahrscheinlichkeit festzustellen. Typische Schätzungen gehen in Abhängigkeit vom betrachteten Merkmal von einer ungefähr eineinhalb- bis zweifach höheren Wahrscheinlichkeit für Kinder von getrennten Eltern für solche Belastungen aus im Vergleich zu ihren Altersgleichen. Dass Unterschiede oft schon vor der Trennung der Eltern zu beobachten sind, wirft Fragen auf, die in den beiden folgenden Unterkapiteln wieder aufgegriffen werden.

Den vollständigen Beitrag finden Sie im aktuellen Heft der Jugendhilfe.

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