Thema 

 


Soziales Verhalten und Selbstständigkeit

Lothar Krappmann

Kinder sind soziale Wesen von Anfang an. Zunehmend erkennen sie, nach welchen Gewohnheiten und Regeln das soziale Geschehen, in dem sie leben, abläuft und wie sie aktiv mitwirken können. Dabei helfen ihnen Vorbilder, Anleitungen und Erklärungen von ihnen nahen Erwachsenen. Aber sie benötigen auch eigenständige soziale Erfahrungen, wie sie ihnen in der Sozialwelt der Kinder geboten wird. Spiel, Aushandlungen, Streit und Beziehungen mit gleichaltrigen Kindern erfordern, realitätstaugliche soziale Fähigkeiten zu entwickeln. Dieser Aufsatz wird den wichtigen Beitrag der Kooperation unter Kindern an der Ausbildung von Fähigkeiten zum sozialen Handeln herausstellen. Die Bedeutung dieses zunehmend selbst organisierten Lebensbereichs der Kinder schmälert nicht die Aufgaben und Pflichten der Erwachsenen, für Werte und Regeln des Zusammenlebens vor und mit den Kindern einzustehen.

Ein Bereich mit großem Anteil an der Entwicklung des sozialen Verhaltens der jungen Menschen wird oft übersehen: Das Sozialleben der Kinder und Jugendlichen in Freundschaft, Gruppe und Schulklasse. Untersuchungen zeigen, dass schon sehr junge Kinder Gemeinschaft mit anderen Kindern suchen; bereits im frühen Kindergartenalter bilden sich erste Formen von Freundschaft; und in Befragungen geben Kinder und später Jugendliche ab dem Schulalter stets an, dass das Zusammensein mit in etwa altersgleichen Kindern oder Jugendlichen zu ihren bevorzugten Tätigkeiten zählt (zum Stand der Forschung: Reinders 2015). Aber immer wieder wird bezweifelt, dass die Erfahrungen der Kinder mit den in etwa gleichaltrigen anderen Kindern konstruktiv zum Zusammenleben der Menschen beitragen können. Brauchen sie nicht entscheidend das Vorbild, die Anleitung und die Grenzen der Erwachsenen?

Das Gegenteil behauptet Harris (2000) nach einer umfassenden Durchsicht einschlägiger Untersuchungen. Für sie ist erwiesen, dass die Persönlichkeit des Kindes sich vor allem in den Beziehungen und Interaktionen der Kinder und Jugendlichen untereinander bildet und nicht durch die Erziehung der Eltern und anderer Erzieher. Diese These ist gewiss überzogen. Die Qualität der Eltern-Kind-Bindung und die Art der familialen Kooperation beeinflussen auch das soziale Geschehen unter Kindern. Dennoch ist nicht zu bestreiten, dass das Sozialleben der Kinder und Jugendlichen einen eigenständigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung und zur Ausbildung der auf sozialen Zusammenhalt und Unterstützung ausgerichteten Handlungsfähigkeit der Menschen leistet (Krappmann 2010).

Den vollständigen Beitrag finden Sie im aktuellen Heft der Jugendhilfe.

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