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Kinder psychisch erkrankter Eltern – Risiken, Belastungen und Schutzfaktoren

Albert Lenz

Das Zusammenleben mit psychisch erkrankten Eltern erhöht das kindliche Risiko für einen ungünstigen Entwicklungsverlauf. Die Kinder stellen daher eine besondere psychiatrische Risikogruppe dar. In dem Beitrag werden in einem ersten Schritt die Belastungsfaktoren auf der Elternebene, der familiären Ebene, der Kindebene und der soziale Ebene beschrieben, die dafür verantwortlich sind. Ob Kinder psychisch erkrankter Eltern selbst erkranken oder auffällig werden, hängt wesentlich von der Verfügbarkeit von Schutzfaktoren ab. Neben der Beziehungsqualität spielt hier die familiäre Krankheitsbewältigung als Schutzfaktoren eine zentrale Rolle. Diese Erkenntnisse der Resilienzforschung werden in einem zweiten Schritt dargestellt und daraus Konsequenzen für die Praxis abgeleitet.

Vorbemerkung

Legt man die Zahl der Familien und die Raten psychisch erkrankter Menschen zusammen, so kann von ca. 3,8 Mio. Kindern ausgegangen werden, die im Verlaufe eines Jahres einen Elternteil mit einer psychischen Erkrankung erleben (Mattejat 2014). Dazu zählen auch Kinder von Eltern mit einer Suchterkrankung. Diese gehören gemäß den internationalen Klassifikationssystemen zu den psychischen Erkrankungen. Wenn man von der Altersverteilung in der Allgemeinbevölkerung ausgeht, sind ca. 15 % der betroffenen Kinder unter drei Jahre alt. Dies bedeutet, dass ca. 500.000 bis 600.000 Säuglinge und Kleinkinder unter drei Jahren von psychischen Erkrankungen der Eltern betroffen sind.

1. Entwicklungsrisiken und Belastungen der Kinder von Eltern mit psychischer Erkrankung

Die elterlichen Erkrankungen gehen mit einer Vielzahl von Entwicklungsrisiken für die Kinder einher. Nach internationalen Studien entwickeln zwischen 41 und 77 % der Kinder psychisch erkrankter Eltern psychische Störungen im Verlauf ihres Lebens. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ist das Risiko psychisch zu erkranken für diese Kinder je nach Störung der Eltern bis zu achtfach erhöht. Etwa die Hälfte der Kinder in kinder- und jugendpsychiatrischer Behandlung hat einen Elternteil mit einer schweren psychischen Erkrankung (vgl. Lenz 2014).

Wie kommt es zu diesen erhöhten Raten psychischer Störungen bei den Kindern psychisch kranker Eltern? Welche Belastungen wirken sich wie auf die kindliche Entwicklung aus, sodass es zu Störungen kommen kann?

1.1 Belastungsfaktoren

Ganz generell kann davon ausgegangen werden, dass die Hauptrisikofaktoren für die Kinder nicht allein in der Art der psychischen Erkrankung des Elternteils an sich liegen. Vielmehr steht das kindliche Erkrankungsrisiko in enger Verbindung mit Belastungen, die aus Verlaufsmerkmalen der Erkrankung, wie Chronizität und Schweregrad, resultieren sowie den mit der Erkrankung einhergehenden psychosozialen und sozialen Belastungsfaktoren. Dieser Befund konnte mittlerweile durch eine Reihe von Studien empirisch gut belegt werden (Lenz 2014).

Im Folgenden wird auf die zentralen Belastungsfaktoren, die sich zusammenfassend in vier große Bereiche, 1) Elternebene, 2) familiäre Ebene, 3) Kindebene und 4) soziale Ebene einteilen lassen, näher eingegangen (Lenz & Wiegand-Grefe 2017).

Den vollständigen Beitrag finden Sie im aktuellen Heft der Jugendhilfe.

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