Thema 

 



Grenzsetzung und Strafe in der Heimerziehung

Sven Huber

Redl (1987) verfolgte das Ziel, die Themen der Grenzsetzung und Strafe aus der von ihm identifizierten »geistigen Windstille herauszumanövrieren« (ebd., 206). Noch heute werden diese Themen (sozial-)pädagogisch eher »oberflächlich und unachtsam« (ebd.) behandelt. Hier werden einige Momente dieser gegenwärtigen Situation in groben Zügen skizziert: die eingeschränkten Forschungsbemühungen, ein stark auf Positionierung hin angelegter (sozial-)pädagogischer Fachdiskurs, das Problem der ­begrifflichen Verschleierung und die (prekäre) Rolle des Fallverstehens.

Orientierung

Betrachtet man die grosse Mehrheit der Beiträge zu sozialpädagogischen Fragen der Grenzsetzung in und ausserhalb der Heimerziehung fällt auf, dass die meisten AutorInnen keine Auskunft darüber geben, was sie denn eigentlich unter Grenzsetzung verstanden wissen wollen. Das hat gewisse ›Vorteile‹, erlaubt diese Vagheit doch das Spiel mit Assoziationen, den eigenen und denen der LeserInnen. Dieses Spiel scheint viele zu reizen, es ermöglicht Zuspitzung, Polemisierung etc. In einer analytischen Perspektive ist es hingegen weniger hilfreich, da unklar bleibt, ob sich die jeweils vorgebrachten Überlegungen und Positionierungen auf den fordernden Blick oder auf Prügel beziehen, um nur zwei denkbare Extrempositionen des Phänomenbereichs zu benennen, oder doch gleich auf mehr oder weniger alles, was nur irgendwie mit dem Phänomenbereich in Verbindung gebracht werden kann.

In Anlehnung an Redl (1987) reichen Praxen der Grenzsetzung von einem feinen Zeichengeben als Hinweis darauf, dass man eine Regelverletzung bemerkt hat, über Humor zur Entspannung der Situation bis zur Strafe (ebd., 206 f.). In der Folge soll es vor allem um die Strafe gehen, also um »(…) den bewussten Versuch eines Erwachsenen, das Verhalten von Kindern […] dadurch zu steuern, dass er sie einem Unlusterlebnis oder einer unangenehmen Erfahrung aussetzt« (ebd., 208). Strafen können dabei, wie hier bei Redl angedeutet, eher disziplinarisch-lenkend oder eher, wie bei Geissler (2006, 210 ff.) ausgeführt, erzieherisch-sittlich orientiert sein. Der Strafe korrespondieren dann unterschiedliche Praxen, in deren Mittelpunkt vor allem das Motiv der Einschränkung bzw. des temporären Entzugs (z.B. von Privilegien) oder der Wiedergutmachung steht. »Jedes unsinnige, grausame, niederträchtige und pathologische Verhalten von Erwachsenen bleibt dabei ausgeschlossen, auch wenn sie dafür ihre Vorrechte als Erwachsene in Anspruch nehmen und ihre naive oder sadistische Rachsucht ›Strafe‹ nennen« (Redl 1987, 208 f.).


Den vollständigen Beitrag finden Sie im aktuellen Heft der Jugendhilfe.

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