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Konsumentenexistenz – Die frühen Jahre

Heinz Hengst

Bei der Neuorientierung der sozialwissenschaftlichen Kindheitsforschung in den neunziger Jahren wurde betont, Kinder würden nicht aus irgendeinem vorgesellschaftlichen Draußen (schrittweise) in die Gesellschaft hineinsozialisiert, sondern seien von Anfang an deren Mitglieder. Dass die Gesellschaften, in die sie schon seit einigen Jahrzehnten hineingeboren werden, Konsumgesellschaften sind, ist ein Faktum, dem die Kindheitsforscher weitaus weniger wenig Beachtung schenkten und schenken. Dass Kinder aktive Subjekte und Ko-Konstrukteure der sozialen Realität sind, wie die zeitgenössische Kindheitsforschung sagt, ist aber kaum adäquat bestimmbar, wenn nicht der Tatsache Rechnung getragen wird, dass Aktivitäten und Erfahrungskonstitution heutiger Kinder in mediendurchtränkten Konsumgesellschaften stattfinden.

Angesichts der Ubiquität des Konsums in der Gesellschaft und im Kinderalltag ist es problematisch, das Thema in einer Bindestrichsoziologie à la »Kinder und Konsum« oder einer entsprechenden Sozialisationsabteilung abzuhandeln.

Mit dem Begriff der Konsumgesellschaft wird zunächst einmal unterstellt, dass charakteristische soziale Praktiken, kulturelle Werte, Ideen, Bestrebungen und Identitäten heute eher einen Bezug zum Konsum aufweisen als zur Welt der Produktion. In neueren Beiträgen fallen Anpassungen des Begriffs Konsumgesellschaft an veränderte Gegebenheiten auf. Es ist die Rede von »Kulturkapitalismus« und ästhetischem Kapitalismus in postfordistischen bzw. postindustriellen Gesellschaften. Gernot Böhme (2016) konstatiert eine Entwicklung von Bedürfnissen zu Begehrnissen. Erstere werden durch Konsum befriedigt, letztere gesteigert und auf Dauer gestellt. Konstatiert wird in einschlägigen Arbeiten zur jüngsten Entwicklung der Konsumwelt darüber hinaus eine Verschiebung vom Gebrauchs- und Statuswert der Produkte und Dienstleistungen zum Emotions- und Fiktionswert. Konsumgütern, so kann man sagen, wird in dieser Perspektive Medienqualität zugeschrieben: Wie man sich mit Literatur, Film und Fernsehen in fremde Welten hineinträumt und mit Helden identifiziert, so kann man das auch mit ästhetisierten Konsumgütern. Norbert Bolz bringt den Mehrwert der sich abzeichnenden Konsumkultur auf den Begriff »story value« (Bolz 2002). Wolfgang Ullrich (2013) vertritt die Auffassung, Konsumieren könne eine Kulturtechnik sein wie Lesen. Die Wahl eines Kosumartikels könne ebenso Geschmack und Urteilskraft belegen wie die Entscheidung für die Lektüre eines Buches.

Den vollständigen Beitrag finden Sie im aktuellen Heft der Jugendhilfe.

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