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Belastungsfaktoren von jungen Menschen mit ›kognitiven Beeinträchtigungen‹

Karin E. Sauer

Der Beitrag setzt einen Fokus auf die Bedeutung von Mainstream-Medien im Spannungsfeld von (Selbst-)Stigmatisierung und Stigma-Management junger Menschen mit ›kognitiven Beeinträchtigungen‹ und spricht sich für die Förderung einer entsprechenden Media-Literacy aus. Aus einer subjektbezogenen Perspektive werden mediale Texte kritisch analysiert und Strategien von Inkorporation und Widerstand aufzeigt. Belastungsfaktoren von jungen Menschen mit ›kognitiven Beeinträchtigungen‹ werden dabei als Zusammenwirken von Diskriminierung, institutioneller Gewalt und Diskursteilhabebarrieren identifiziert.

1. Diskriminierung – institutionelle Gewalt – Diskursteilhabebarrieren

Zu den Belastungsfaktoren von jungen Menschen mit sogenannter ›geistiger Behinderung‹ zählt zentral deren Kategorisierung als solche. Diejenigen, die herkömmlicherweise so bezeichnet werden, erleben sie als diskriminierend. So verweist bspw. die Vereinigung Mensch zuerst – Netzwerk People First Deutschland e.V. darauf, dass der Begriff ›geistig behindert‹ diese Menschen »schlecht macht« und plädiert dafür, stattdessen von ›Menschen mit Lernschwierigkeiten‹ zu sprechen. (vgl. Grunwald, Kuhn, Meyer 2017, S. 105). Die Schwierigkeiten zu lernen, wie gesellschaftliche Teilhabe möglich ist und wie diese gestaltet werden könnte, liegen jedoch nicht allein bei ›Symptomträger_innen‹, die dadurch zu ›Klientel‹ Sozialer Arbeit in der ›Behindertenhilfe‹ und ›Jugendhilfe‹ werden. – Auch bei deren Umfeld im sozialen Nahraum und den gesetzlichen Entscheidungs- und institutionellen Leistungsträger_innen sind Schwierigkeiten vorhanden, entsprechende inklusive Teilhabemöglichkeiten zu gewährleisten (vgl. UN-BRK)1.

In der Diskussion zur Sinnhaftigkeit und politischen Notwendigkeit der Einteilung in bestimmte Kategorien von Behinderung gibt Baethge (2016) zu bedenken, dass »Lernbehinderung« ebenso wie »psychosoziale Behinderung« zu den »unspezifischen Behinderungsarten« zählen, die »nur Bestand haben können vor dem Hintergrund eines auf bestimmte Leistungs- und Verhaltensbandbreiten abgestimmten Schul- und Beschäftigungssystems« (ebd., S. 45). Die mit diesen Kategorisierungen einhergehende institutionelle Gewalt stellt einen wesentlichen Belastungsfaktor für Kinder und Jugendliche mit ›kognitiven Beeinträchtigungen‹ dar: Wird bei Kindern und Jugendlichen die ›Diagnose‹ ›geistige Behinderung‹ gestellt, verschließen sich ihnen viele der regulären Formen gesellschaftlicher Teilhabe in fast allen Bereichen des alltäglichen Lebens. An deren Stelle treten Förder-Kindergärten und -Schulen, integrative oder inklusive Freizeitangebote, die von Kindern und Jugendlichen ohne Behinderungen kaum genutzt werden (vgl. z.B. Baethge 2016). Hier dominieren immer noch die »Spezialdiskurse der Geistigbehindertenpädagogik« (Schachtsiek 1999).

Trescher und Börner (2016) sprechen daher von »Diskursteilhabebarrieren«, denen Kinder und Jugendliche mit ›geistigen Behinderungen‹ gegenüberstehen (ebd., S. 40). Diese sind nicht nur in (sozial- und sonder-) pädagogischen und medizinisch-therapeutischen Fachdiskursen zu finden, sondern auch in den Medien, in deren Diskursen zwar mitunter über ›(geistige) Behinderung‹ berichtet wird, Kinder und Jugendliche mit dieser ›Symptomatik‹ aber selten zu Wort kommen. Daher soll im Folgenden bewusst eine jugendkulturelle Perspektive eingenommen werden, die Selbstzuschreibungen und Identifikationen von Jugendlichen stärker in den Blick nimmt als deren von außen zugeschriebenes Merkmal ›geistige Behinderung‹.

Den vollständigen Beitrag finden Sie im aktuellen Heft der Jugendhilfe.

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