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Therapeutischer Humor – Konfliktlösung leicht gemacht

Michael Titze

Zwischenmenschliche Konflikte werden häufig einseitig gelöst: Entweder affektiv, nach der Devise »Durchsetzen um jeden Preis« oder rational-beschwichtigend, entsprechend dem Motto »Der Klügere gibt nach!« Der therapeutische Humor nimmt einen alternativen Weg. Dieser offenbart die Freude am kooperativen Spiel und ist durch paradoxe Selbstironie und selbstbewusste Naivität gekennzeichnet. Mit einem versöhnlichen Lächeln lassen sich zwischenmenschliche Konflikte dabei »spielend« auflösen. Daher zeigt sich ein konstruktiver Humor stets in einem heiteren Gesichtsausdruck. Dadurch wird eine zwischenmenschliche Brücke zwischen anfänglichen Kontrahenten aufgebaut, die sich schließlich im gemeinsamen Lachen festigt.

Der therapeutische Humor entspricht einer ziemlich neuen Methode, die aus der Zusammenarbeit von Psychoanalytikern und Clowns hervorging. Beide Berufsgruppen konzentrieren sich nämlich auf die emotionalen Unwägbarkeiten des Lebens. Während der Analytiker den Patienten dazu anregt, sich der Ursachen seiner emotionalen Konflikte bewusst zu werden, lebt der Clown diese von vornherein aus, und zwar nach diesem Prinzip:

  • »Wenn es schon kracht, dann aber richtig!«
  • »Wenn ich schon hinfalle, dann aber als verhinderter Akrobat!«
  • »Wenn ich schon stottere, dann aber wirklich fulminant!«
  • »Wenn ich schon als blöd hingestellt werde, dann will ich mich als richtiger Vollidiot zeigen!«

Diese »Lust am Scheitern« ist spielfreudig. Sie kann nur gelingen, wenn das selbstkontrollierende Denken (vorübergehend) außer Kraft gesetzt wird. Wenn der Clown ungehemmt und lustvoll das tut, was ein wohlerzogenes Kind und ein vernunftgeleiteter Erwachsener niemals tun würden (weil sie sich sonst schämen müssten!), eckt er unentwegt an. Er tritt von einem Fettnäpfchen ins andere und »leistet« sich peinliche Entgleisungen und Normverletzungen. Damit verhält er sich nicht anders als der typische Patient, der sich beim Analytiker auf die Couch legt – mit einem großen Unterschied: Während Letzterer darunter leidet und zerknirscht nach Wegen sucht, dieses Fehlverhalten unbedingt zu überwinden, tut der Clown dies freiwillig und lustvoll. Er übt sich nämlich in der »Kunst des Stolperns« (was ihn davor bewahrt, sich wirklich weh zu tun!).


Den vollständigen Beitrag finden Sie im aktuellen Heft der Jugendhilfe.

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